Sprechen wir über die Krise - die Angst geht um
Mainz, den 09.10.2008 - Viel ist die Rede von Angst: Angst vor einer Rezession, Angst vor Inflation, Angst vor der Krise der Marktwirtschaft - Angst vor Arbeitsplatzverlust. Dieser Angst wollten die sechs führenden Notenbanken am Mittwoch mit einer konzertierten Aktion begegnen: Gemeinsam senkten sie die Zinsen.
Die Allgemeine Zeitung aus Mainz glaubt, dass die "Aktion der Notenbanken zur Senkung der Leitzinsen überfällig" war. "Sie ist ein Signal an Konsumenten und Unternehmer, sich von der Finanzkrise nicht weiter schockieren zulassen." Schließlich seien die Produktionsunterbrechungen in Teilen der Autobranche "eine klare Warnung".
Der Nordbayerische Kurier aus Bayreuth hat allerdings beobachtet, dass die "Zinsspritzen der Notenbanker" nur kurzzeitig wirkten; "dann bogen die Börsen wieder steil nach Süden ab". Wie "ein gefährliches Virus" schleiche die Finanzkrise mittlerweile in die Realwirtschaft. "Am immer näher rückenden Horizont steht eine Rezession der Weltwirtschaft. Weil an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sind die Märkte gerade dabei, das schwindende Wachstum in die Kurse einzupreisen."
"Es besteht jetzt die Gefahr, dass die Menschen sich von Angst gefangen nehmen lassen - und in ihrer Angst genau die Ereignisse auslösen, vor denen sie sich fürchten", schreibt die Süddeutsche Zeitung. "Der globale Geldkreislauf mit all seinen Zahlenkolonnen, die nur auf dem Papier stehen, ist eine fragile Sache. Wenn die Deutschen ihre Konten plündern und die Euros unter die Matratze legen, bricht alles zusammen. Firmen und Konsumenten bekommen keinen Kredit mehr, bald stoppen die Bänder, Arbeitnehmer werden entlassen. Die Verlierer wären wir alle. Mehr können sich die Deutschen gar nicht schaden."
Ins gleiche Horn stößt der Schwarzwälder Bote aus Oberndorf. "Die Ware 'Vertrauen' ist in diesen Tagen ein knappes Gut. In Panik zu verfallen, wäre allerdings verheerend. Wenn nämlich jeder nur an sich selber denkt, denkt niemand an das Ganze. Darum geht es aber jetzt. Jeder ist da gefordert. Anderenfalls setzen wir den Mechanismus in Gang, den man eine 'sich-selbst-erfüllende Prophezeihung' nennt. Eine Rezession kann man auch herbeireden."
Man kann eine Rezession jedoch kaum wegreden. "Das Vorgehen der Währungshüter ist ebenso beeindruckend wie beängstigend", meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Um die Märkte wie auch um die Volkswirtschaften insgesamt muss es schlimm bestellt sein, wenn die Notenbanker sich zu solch einer konzertierten Aktion entschließen. In der Tat wird immer deutlicher, dass von der Misere auf dem amerikanischen Häusermarkt mehr abhängt als nur das Schicksal einiger Banken, Versicherungen und Investmentfonds. Die Stabilität des gesamten Finanzsystems ist in Gefahr, weil dessen Fundament, das gegenseitige Vertrauen der Marktakteure, große Risse bekommen hat. Darunter leiden inzwischen auch Unternehmen und Haushalte, die nur noch schwer an notwendige Kredite kommen, um Investitionen oder den Kauf eines neuen Autos, geschweige denn eines Hauses zu finanzieren."
Einen radikalen Schritt fordert die Frankfurter Rundschau: Die Zeit sei abgelaufen, "mit kleinen Rettungsversuchen um Vertrauen zu kämpfen. Die Politiker müssen alle 30 oder 50 global systemrelevanten Banken teilverstaatlichen. Das hat mit freier Marktwirtschaft wenig zu tun. Doch mit jedem Tag, den die Regierenden jetzt noch untätig verstreichen lassen, zerfleischen sich die freien Marktwirtschaften weiter."
Quelle: www.n-tv.de


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