"Kein Cent darf nach Detroit fließen"

Berlin, den 18.11.2008 - Opel bittet um staatliche Bürgschaften in Milliardenhöhe - schon wird ein Krisentreffen in Berlin angesetzt. Den deutschen Kommentatoren wird das Engagement des Steuerzahlers in der Finanzkrise langsam zu viel - genau wie der Populismus der Kanzlerin.

"Märkische Oderzeitung" (Frankfurt/O.):
"In der Haut Merkels und anderer Politiker möchte man jetzt nicht stecken. Was die Sache Opel so kompliziert macht, ist vor allem, dass das Desaster von Rüsselsheim weniger durch die Firma Opel verursacht wurde. Deren Ingenieure produzieren wieder gute Autos und haben alte Missstände bewältigt. Das Problem steckt vielmehr in der General Motors-Zentrale in Detroit, wo die unfähigen Herrscher über 13 Konzernmarken viel zu lange unförmige Spritfresser gebaut und die Lasten konzerneigener Sozialleistungen ignoriert haben. Wenn es überhaupt Staatsbürgschaften für Opel gibt, darf kein deutscher Steuerzahlerzahler-Cent nach Detroit fließen."


"Hannoversche Allgemeine Zeitung":
"Wenn die Kanzlerin etwas großartig beherrscht, dann ist das der schnelle Zugriff auf ertragreich erscheinende Themen. Als die Eisberge zu schwinden begannen, erfand sich Angela Merkel, husch, als Hüterin des Klimas. Als aus den Intelligenzblättern des Landes der Ruf nach mehr Bildung erscholl, rief die Kanzlerin, hast du nicht gesehen, die Bildungsrepublik Deutschland aus. (...) Nun muss Opel gerettet werden, später vielleicht Ford, auch Hilferufe aus der Flugbranche oder SOS-Signale aus der Schifffahrt sind vorstellbar.

Wer immer ein noch so schönes Hilfsangebot aushecken sollte im stillen Kämmerlein: Er wird es kaum in der Öffentlichkeit erörtern können, die Kanzlerin wird ihm zuvorkommen. Im Märchen der helfenden Politik hat sie für sich die Rolle des Igels ausgewählt: "Ick bün all dor." Eines nur darf bei diesem Wettlauf um die Gunst des Augenblicks nicht vergessen werden. Wenn Opel, die Banken und all die anderen "vom Staat" gerettet werden, dann nicht von Herrn Steinmeier oder Frau Merkel, sondern von Frau und Herrn Mustermann, von ihrem Geld als Steuerzahler."


"Recklinghäuser Zeitung" (Marl):
"Nicht bei jedem in die Krise gekommenen Konzern kann der Steuerzahler einspringen. Bei Opel kann es beispielsweise nicht sein, dass Bürgschaften für Opel bei der kranken Mutter GM landen. Wenn der Staat hilft, dann vor allem, um Arbeitsplätze zu sichern."
 
 
"Tageszeitung" (Berlin):
"Gleich zwei Minister und eine Kanzlerin laden nacheinander zum Opel-Gipfel. So viel Interesse der Mächtigen mag Konzernführung und Belegschaft vordergründig beruhigen. Gleichzeitig könnte die Profilierungssucht der Wahlkämpfer, die ja einst bei Schröders Einsatz für Philipp Holzmann auch nur kurzfristigen Erfolg hatte, dem Unternehmen mehr schaden als nützen. Denn wenn öffentlich über die Kreditwürdigkeit diskutiert wird, dürfte dies Banken oder Kunden eher abschrecken."


"Schwäbische Zeitung" (Leutkirch):
"Rettet der Staat in dieser Woche tatsächlich die traditionsreiche Adam Opel AG, nimmt seine Beliebtheit ganz schnell zu: Dann wollen alle mal. Es würde dann mit der Gießkanne gebürgt, auch für Firmen, die am Markt eigentlich keine Chance mehr haben. Das schadet dann ganzen Branchen. Die Koalition steckt in der Zwickmühle zwischen solidarischem Handeln für die Arbeiter und kühler Ordnungspolitik."


"Allgemeine Zeitung" (Mainz):
"Die Rettung der Welt beginnt morgen, heute ist schnelle Hilfe für Opel angesagt. Denn für die über 25 000 Mitarbeiter des Rüsselsheimer Automobilherstellers müssen sofort alle Weichen gestellt werden, sich demnächst eigenständig am Weltmarkt behaupten zu können. Der Mutter in den USA steht das Wasser bis zum Hals und da kann es für die deutsche Tochter finanziell blitzschnell sehr eng werden. Opel kann auf eigenen Beinen stehen, eine staatliche Bürgschaft über eine Milliarde Euro wäre also gut angelegtes Geld."

Quelle: www.ftd.de