Gefahr der Erstarrung
Frankfurt, den 18.11.2008 - Deutschland ist vielleicht das einzige Land auf der Welt, in dem staatliche Banken noch einmal verstaatlicht werden.
Genau das passiert zurzeit bei den Landesbanken, die auf das Hilfspaket aus Berlin zurückgreifen: Sie gehören direkt oder indirekt schon dem Staat, haben zum Teil zusätzlich staatliche Garantien und lassen sich dann noch einmal vom Bund unterstützten.
Dafür sind die Privatbanken bei uns zurückhaltender als in anderen Ländern. Auch die Postbank. Eigentlich könnte sie die Hilfe aus Berlin gut gebrauchen. Weil die Deutsche Bank, ihr künftiger Großaktionär, nichts von staatlicher Unterstützung hält, hätte es allerdings komisch ausgesehen zuzugreifen.
Wer geglaubt hat, die Finanzkrise könnte das deutsche Drei-Säulen-Modell – private Banken, Sparkassen und Landesbanken, Genossenschaftsbanken – auf-knacken, sieht sich getäuscht. Das Gegenteil ist der Fall. Es besteht eher die Gefahr der Erstarrung. Alles bleibt da, wo es ist, und die EU-Kommission hat kaum noch Macht sich einzumischen, wenn, nach den Reden mancher Politiker zu urteilen, halb Europa verstaatlicht wird. Allerdings erfährt das Drei-Säulen-Modell auch eine Neubewertung. Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken haben genau das gemacht, was die Privatbanken zum Teil versäumten: Sie haben sich um die Kunden gekümmert. In der Krise zeigt sich dann, dass ein in sich geschlossenes Finanzsystem, das weder für die Anlage (wie die Postbank) noch für die Geldbeschaffung (wie viele andere Privatbanken) zu sehr auf den Kapitalmarkt angewiesen ist, einen unschätzbaren Vorteil darstellt. Dabei sind das eigentliche Erfolgsmodell die Genossenschaften: Sie haben keine Landesbanken-Probleme, und sie brauchen den Staat überhaupt nicht, weil sie sich über die Kunden refinanzieren.
Die Idee, möglichst viel zu privatisieren und Aktiengesellschaften für „moderner“ als Genossenschaften zu halten, hat sich also überlebt. Trotzdem bleiben die Probleme des Drei-Säulen-Modells bestehen: Die Landesbanken, die zum Teil keine Geschäftsmodelle finden, sind der wundeste Punkt. Die Kleinteiligkeit der gesamten Bankbranche und die schwachen Margen sind weitere Punkte. Es wäre daher schade, wenn die Krise einfach nur dazu führt, dass sich letztlich gar nichts ändert.
Quelle: www.handelsblatt.de


MIT Stadtverband Sankt Augustin - Hennefer Straße 39 - 53757 Sankt Augustin - herbert.montexier@mit-sankt-augustin.de