Arbeit, Bildung, Integration
Berliner Rede von Bundespräsident Horst Köhler, 17. Juni 2008, Schloss Bellevue
(Auszüge)
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1. Die deutschen Unternehmen brauchen mehr qualifizierten Nachwuchs. Sie brauchen mehr ausbildungsfähige Lehrlinge und mehr gute Facharbeiter. Es gibt bei uns viel zu wenige junge Ingenieure und viel zu wenige Studierende in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Das soll ausdrücklich nicht heißen, wir bräuchten keine Geisteswissenschaftler mehr. Die werden wir immer brauchen. Aber wir brauchen in Größenordnungen junge Naturwissenschaftler und Techniker, um offene und neue Stellen zu besetzen und weil um Arbeitsplätze für Spitzenkräfte herum viele weitere Arbeitsplätze für Durchschnittsverdiener entstehen. Also - Werbetrommel rühren, die entsprechenden Schulfächer attraktiver machen, vermehrt junge Frauen für diese Studiengänge gewinnen, und, lieber Abi-Jahrgang 2008: Da winken exzellente Berufschancen!
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5. Fast alle in Deutschland sehnen sich nach weniger Vorschriften, nach einem besseren Steuerrecht und nach niedrigeren Abgaben. Irren die sich alle? Nein. Bei uns gelten viele Regeln, die den Alltag vernünftig ordnen und sicher machen. Es gibt aber auch etliche Bestimmungen, die bloß Kosten und Ärger verursachen. Die Bundesregierung hat sich zu Recht das Ziel gesetzt, die Bürokratiekosten bis 2011 um ein Viertel zu senken. Noch wichtiger ist ein Steuerrecht, das klar ist, einfach, wirksam und fair. Ein solches Steuerrecht haben wir längst nicht mehr. Niemand beherrscht die zigtausend Paragraphen, kaum jemand überblickt sie auch nur, und die meisten versuchen ihnen recht und schlecht Genüge zu tun und dabei so viel Steuern zu sparen wie möglich. Das führt zu den unsinnigsten Geldanlagen. Obendrein wirkt die Steuerbelastung zunehmend unfair: Inzwischen müssen schon Facharbeiterfamilien sehr schnell Steuersätze zahlen, die früher nur für Reiche galten, und schon für Durchschnittsverdiener bedeutet eine Gehaltserhöhung rasch einen höheren Steuertarif und entsprechend weniger Netto vom Brutto. Das alles drückt auf die Steuermoral und den Leistungswillen. Jede Verbesserung in diesem Bereich tut den Arbeitnehmern und dem Arbeitsplatzangebot in Deutschland gut.
Auch weniger Abgaben auf Arbeit würden unserem Land gut tun. Deutschland hat mehr als ein Jahrhundert lang die Kosten der sozialen Sicherheit vor allem den Arbeitern, Angestellten und privaten Arbeitgebern auferlegt. Das war nahe liegend, solange es normal war, ein Leben lang im selben Betrieb zu arbeiten. Inzwischen aber hemmen die Sozialabgaben das Entstehen von Arbeitsplätzen, vor allem für einfache Tätigkeiten, und sie behindern dadurch Vollbeschäftigung - die jedoch ist die wichtigste Finanzquelle für alle staatlichen Aufgaben. Ich glaube, es lohnt sich, weiter darüber nachzudenken, wie die soziale Sicherheit langfristig stärker durch Steuern finanziert werden kann, auch weil damit alle Bürger entsprechend ihrer Leistungskraft beitragen.
6. Arbeiten sollte rundum attraktiver werden in Deutschland. Familienfreundlicher vor allem. Dafür brauchen wir viel mehr gute Kinderbetreuung und leistungsstarke Ganztagsschulen.
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Die komplette Rede kann hier als PDF heruntergeladen werden:
Berliner Rede 2008 Horst Köhler
Quelle:
http://www.bundespraesident.de/Reden-und-Interviews/Berliner-Reden-,12191/Berliner-Rede-2008.htm


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